Letztes Feedback

Werbung

Gratis bloggen bei
myblog.de

Universität der Verzweiflung

Kleine Abschweifung vom vorherigen Thema: Universitäten. Oder spezieller: Meine Universität. Na, das ist eigentlich auch nicht richtig. Es ist ja nicht wirklich meine Uni, wäre sie es, würde ich wohl einiges anders machen.

Ich habe ja schon ein bisschen von meinem Freund erzählt, der Probleme mit Depressionen hatte/hat. Die hatte er allerdings auch schon vor seiner Zeit an der Uni, weshalb man die hier wohl nicht ausschließlich beschuldigen kann.

Bei anderen Freunden von mir ist das aber anders. Kleines Beispiel: Meine beste Freundin. Ein wirklich tolles Mädchen (muss ich ja sagen, ist schließlich meine beste Freundin). Sie ist intelligent, ließt die Buddenbrocks zum Spaß (ich bin bis Seite 10 gekommen und hab kapituliert), kann dich ohne mit der Wimper zu Zucken in Grund und Boden argumentieren, wenn's um Literatur geht, schreibt für die Unizeitung und ist eigentlich so gut wie gar nicht aus der Ruhe zu bringen. Und sie hatte einen Nervenzusammenbruch. Wegen der bescheuerten Uni. Schlimmer hat es eine andere Freundin getroffen, die ich zu Beginn des Studiums kennengelernt habe: Sie ist nach zwei Semestern dermaßen unter ihrer Prüfungsangst und dem Druck zusammengebrochen, dass sie im Krankenhaus gelandet ist, mit Herzrythmusstörungen und Atemnot. Sie hat das Studium hier dann abgebrochen, ist umgezogen, hat ein anderes Studium angefangen - und leidet leider auch dort wieder unter schlimmer Prüfungsangst. Ein wirklich liebes Mädchen, das ich als lebensfroh und sehr energiegeladen kennengelernt habe. Und die außerdem wirklich schlau ist und sehr viel disziplinierter als ich.

Mal ehrlich: Was ist eigentlich das Ziel der Universitäten? Möglichst viele junge Menschen mit 'nem psychischen Knacks zu produzieren? Bestimmt ein Viertel aller Leute, die ich während meiner Zeit an der Uni kennengelernt habe, hatten Probleme. Mit Prüfungsdruck, Zeitdruck, Überforderung. Die tollsten und leistungsstärksten Menschen brechen unter diesem Druck zusammen. Und warum? Was ist denn der Sinn von dem ganzen Kram? Ich meine, ja, mir ist durchaus klar, dass das Leben kein Ponyhof ist (blabla), dass ich dankbar sein sollte, dass ich überhaupt die Möglichkeit habe, zu studieren... Aber darf ich mich deswegen wirklich nicht über ganz offensichtliche Missstände beschweren? Es kann doch nicht richtig sein, ein Lernpensum zu verlangen, das die Studenten reihenweise zu Psychologen treibt. Ist bestimmt super für die Psychologen. Aber darauf sollte das Hauptaugenmerk der Unis eigentlich nicht liegen. Echt nicht.

Ich finde das wirklich sehr schade: Ich hatte mir die Uni immer als einen tollen Ort vorgestellt, an dem man sich aussuchen kann, was man gerne lernen möchte und das dann auch echt gerne macht. Diese Art des Studiums habe ich den ersten sechs Semestern meines Bachelorstudiums allerdings überhaupt nicht kennengelernt. Gleichgültige Professoren, die ihre Vorlesung mit viel zu vielen PowerPoint-Folien vollklatschen und eine Stoffmenge in ihren Klausuren verlangen, die schlichtweg utopisch ist, waren die Regel. Aussieben war an der Tagesordnung, die Nebenfächer waren total überfrachtet und nur schwer neben den Hauptfächern zu erledigen. Ich musste  auf Grund einer ziemlich langen Bachelorarbeit und einer nicht bestandenen Klausur mein Studium auf acht Semester verlängern (wobei wieder meine Eigenschaft als Schande für die Gesellschaft zum Tragen kommt). Und siehe da: In diesen beiden Semestern, in denen ich nicht mehr wirklich viel mit meinen Pflichtveranstaltungen zu tun hatte, konnte ich mir tatsächlich Kurse einfach so aussuchen, Vorlesungen aus reinem Interesse besuchen...und es machte/macht mir unglaublichen Spaß! So hatte ich mir das mal vorgestellt. Und es stellt sich heraus: Wir Studenten sind nicht allen Professoren vollkommen egal. Ich habe Kurse und einen Hiwi-Platz gefunden, bei denen sich die Leute wirklich für uns interessieren, uns fragen, ob der Stoff zu bewältigen ist und welche Themen uns den noch interessieren würden, ob man also vielleicht noch was anderes in die Vorlesung einbauen könnte. Also, liebe Professoren des Grundstudiums: So geht das! Seid nett zu den Studenten, dann lernen wir auch gern. Ich weiß zwar, dass so viel persönlicher Kontakt nicht immer möglich sein kann. Aber ein bisschen weniger Aussieben und ein bisschen weniger Überfrachtung der Vorlesungen bei ein bisschen mehr Interesse an den Studenten wären schon mal ein super Anfang.

Na, träumen kann man ja auf jeden Fall. Meine beste Freundin hat sich übrigens wieder gefangen und eine 1,0 in ihrer Bachelorarbeit geschrieben. War irgendwie klar. Hat mich aber riesig gefreut, nachdem sie so einen Scheißanfang im Studium hatte. Und ich war so gut wie gar nicht neidisch. Naja, ein kleines bisschen vielleicht...

Alles Liebe,

Thaliana

 

30.4.14 19:06

Werbung


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen