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Universität der Verzweiflung

Kleine Abschweifung vom vorherigen Thema: Universitäten. Oder spezieller: Meine Universität. Na, das ist eigentlich auch nicht richtig. Es ist ja nicht wirklich meine Uni, wäre sie es, würde ich wohl einiges anders machen.

Ich habe ja schon ein bisschen von meinem Freund erzählt, der Probleme mit Depressionen hatte/hat. Die hatte er allerdings auch schon vor seiner Zeit an der Uni, weshalb man die hier wohl nicht ausschließlich beschuldigen kann.

Bei anderen Freunden von mir ist das aber anders. Kleines Beispiel: Meine beste Freundin. Ein wirklich tolles Mädchen (muss ich ja sagen, ist schließlich meine beste Freundin). Sie ist intelligent, ließt die Buddenbrocks zum Spaß (ich bin bis Seite 10 gekommen und hab kapituliert), kann dich ohne mit der Wimper zu Zucken in Grund und Boden argumentieren, wenn's um Literatur geht, schreibt für die Unizeitung und ist eigentlich so gut wie gar nicht aus der Ruhe zu bringen. Und sie hatte einen Nervenzusammenbruch. Wegen der bescheuerten Uni. Schlimmer hat es eine andere Freundin getroffen, die ich zu Beginn des Studiums kennengelernt habe: Sie ist nach zwei Semestern dermaßen unter ihrer Prüfungsangst und dem Druck zusammengebrochen, dass sie im Krankenhaus gelandet ist, mit Herzrythmusstörungen und Atemnot. Sie hat das Studium hier dann abgebrochen, ist umgezogen, hat ein anderes Studium angefangen - und leidet leider auch dort wieder unter schlimmer Prüfungsangst. Ein wirklich liebes Mädchen, das ich als lebensfroh und sehr energiegeladen kennengelernt habe. Und die außerdem wirklich schlau ist und sehr viel disziplinierter als ich.

Mal ehrlich: Was ist eigentlich das Ziel der Universitäten? Möglichst viele junge Menschen mit 'nem psychischen Knacks zu produzieren? Bestimmt ein Viertel aller Leute, die ich während meiner Zeit an der Uni kennengelernt habe, hatten Probleme. Mit Prüfungsdruck, Zeitdruck, Überforderung. Die tollsten und leistungsstärksten Menschen brechen unter diesem Druck zusammen. Und warum? Was ist denn der Sinn von dem ganzen Kram? Ich meine, ja, mir ist durchaus klar, dass das Leben kein Ponyhof ist (blabla), dass ich dankbar sein sollte, dass ich überhaupt die Möglichkeit habe, zu studieren... Aber darf ich mich deswegen wirklich nicht über ganz offensichtliche Missstände beschweren? Es kann doch nicht richtig sein, ein Lernpensum zu verlangen, das die Studenten reihenweise zu Psychologen treibt. Ist bestimmt super für die Psychologen. Aber darauf sollte das Hauptaugenmerk der Unis eigentlich nicht liegen. Echt nicht.

Ich finde das wirklich sehr schade: Ich hatte mir die Uni immer als einen tollen Ort vorgestellt, an dem man sich aussuchen kann, was man gerne lernen möchte und das dann auch echt gerne macht. Diese Art des Studiums habe ich den ersten sechs Semestern meines Bachelorstudiums allerdings überhaupt nicht kennengelernt. Gleichgültige Professoren, die ihre Vorlesung mit viel zu vielen PowerPoint-Folien vollklatschen und eine Stoffmenge in ihren Klausuren verlangen, die schlichtweg utopisch ist, waren die Regel. Aussieben war an der Tagesordnung, die Nebenfächer waren total überfrachtet und nur schwer neben den Hauptfächern zu erledigen. Ich musste  auf Grund einer ziemlich langen Bachelorarbeit und einer nicht bestandenen Klausur mein Studium auf acht Semester verlängern (wobei wieder meine Eigenschaft als Schande für die Gesellschaft zum Tragen kommt). Und siehe da: In diesen beiden Semestern, in denen ich nicht mehr wirklich viel mit meinen Pflichtveranstaltungen zu tun hatte, konnte ich mir tatsächlich Kurse einfach so aussuchen, Vorlesungen aus reinem Interesse besuchen...und es machte/macht mir unglaublichen Spaß! So hatte ich mir das mal vorgestellt. Und es stellt sich heraus: Wir Studenten sind nicht allen Professoren vollkommen egal. Ich habe Kurse und einen Hiwi-Platz gefunden, bei denen sich die Leute wirklich für uns interessieren, uns fragen, ob der Stoff zu bewältigen ist und welche Themen uns den noch interessieren würden, ob man also vielleicht noch was anderes in die Vorlesung einbauen könnte. Also, liebe Professoren des Grundstudiums: So geht das! Seid nett zu den Studenten, dann lernen wir auch gern. Ich weiß zwar, dass so viel persönlicher Kontakt nicht immer möglich sein kann. Aber ein bisschen weniger Aussieben und ein bisschen weniger Überfrachtung der Vorlesungen bei ein bisschen mehr Interesse an den Studenten wären schon mal ein super Anfang.

Na, träumen kann man ja auf jeden Fall. Meine beste Freundin hat sich übrigens wieder gefangen und eine 1,0 in ihrer Bachelorarbeit geschrieben. War irgendwie klar. Hat mich aber riesig gefreut, nachdem sie so einen Scheißanfang im Studium hatte. Und ich war so gut wie gar nicht neidisch. Naja, ein kleines bisschen vielleicht...

Alles Liebe,

Thaliana

 

30.4.14 19:06, kommentieren

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Käfer mit Depressionen

...also, als Biologiestudentin kann ich mit relativ großer Sicherheit sagen, dass es keine Käfer mit Depressionen gibt.

Aber im Kontext dieses Blogs bekommt mein Freund den liebevollen Spitznamen "Käfer". Da ich mich selbst ja nach einer Pflanze benannt habe (für Biologie-Laien: Arabidopsis thaliana ist der Klugscheißername für die Ackerschmalwand, die Lieblings-Modellpflanze der Biologen), denke ich, das passt irgendwie.

Und der, auch das kann ich mit relativ großer Sicherheit sagen, hat Depressionen.

Darüber würde ich hier gern ein bisschen was erzählen, einfach, um es mal los zu werden. Und vielleicht hilft es ja dem ein oder anderen ein wenig.

Damit ihr im Bilde seid, erzähl ich euch erstmal ein bisschen über uns beide zusammen. Denn auch wenn wir einige nicht so rosige Zeiten hatten: Wir haben keine schlechte Beziehung. Ganz im Gegenteil. 

Ich habe meinen Freund vor etwa 3 1/2 Jahren in der O-Phase des ersten Semesters kennen gelernt. Unsere erste Begegnung war im Vorlesungssaal des Chemiepropädeutikums. Er ging die Stufen auf der Seite hoch, auf der ich saß. Groß, schlank, Mütze tief ins Gesicht gezogen, sehr hübsches, scharfkantiges Gesicht. Ich fand ihn sofort attraktiv. Der erste, gute Eindruck hielt allerdings leider nur, bis er sich in der Reihe hinter mir zu zwei ziemlich arroganten Mädels setzte, die sofort anfingen, über das Propädeutikum und die Leute, die eine so einfache Vorbereitung nötig hätten, herzuziehen. Sie hatten nicht komplett unrecht, so schwierig war der Stoff tatsächlich nicht, aber ein Mädchen, mit dem ich mich angefreundet hatte, saß direkt neben mir und die war leicht überfordert mit alldem, zumal sie ihre Leistungskurse in der Oberstufe eher im geisteswissenschaftlichen Bereich gewählt hatte. Dass er bei den beiden saß, zwar nicht unbedingt sehr eloquent an der Unterhaltung teilnahm, aber ihnen auch nicht widersprach und zusätzlich noch eine der beiden lautstark anfing, zu telefonieren, machte also meine anfängliche Begeisterung für ihn erstmal wieder zunichte. Ja, ich weiß, das waren jetzt alles keine weltbewegenden Gründe, jemanden nicht zu mögen, aber wer hat bitte noch nie voreilig geurteilt?

Dieser eher negative Eindruck sollte  ja nun auch nicht so bleiben. Zum Glück, mir wäre eine wunderbare, liebevolle und ja, manchmal auch sehr anstrengende Beziehung entgangen.

Er begegnete mir immer wieder, mal auf Partys, mal bei Trinkspielen im Rahmen der O-Phase. Wir redeten nicht übermäßig viel miteinander, unter anderem auch, weil wir beide meist mehr oder weniger betrunken waren.

Und dann war da diese große Party, auf der ich mit einer Gruppe von Leuten war, die ich damals alle sehr gern hatte (ich bin heute noch mit einer von denen befreundet, erstaunlicherweise bleibt man dann doch nicht mit allen, die man in der O-Phase kennenlernt, ein Leben lang befreundet). Wir tanzten, schrien uns über die Musik hinweg an, sangen die bekannteren Lieder mit (bei lauter Musik traue auch ich mich, zu singen, obwohl meine Singstimme sich nach einer gefolterten Katze anhört). Und dann kamen er und ein Freund von ihm rüber, tanzten und alberten mit uns herum. Irgendwie kam es dazu, dass ich dann mit ihm allein tanzte. Und er konnte wirklich gut tanzen. Und er war immernoch wirklich hübsch. Und die Male, die ich davor mit ihm geredet hatte, war er sehr süß gewesen, eine gute Mischung aus schüchtern und witzig. Und dann...küsste er mich. Einfach so. Und auch das konnte er wirklich gut.

Zuerst war das mit uns eine sehr lockere Geschichte. Wir trafen uns  auf Partys, mal bei ihm, mal bei mir, kamen zusammen zu spät zu Vorlesungen (ihr könnt euch denken, warum) und hatten einfach Spaß. Und ein halbes Jahr später waren wir immernoch zusammen.

Das war eine witzige, unkomplizierte, spaßige Zeit. Wie eine Beziehung, zumindest am Anfang, meiner Meinung nach, sein sollte.

Aber nicht alle Beziehungen bleiben so, das geht ja auch gar nicht. Unsere Beziehung verlor ihre Leichtigkeit etwa nach Ablauf dieser ersten sechs Monate. 

Ich weiß noch genau, wann mir das erste Mal auffiel, dass nicht alles gut war. Wir hatten uns nach einer seiner Vorlesungen verabredet. Ich war da und wartete, aber er kam nicht. Es war schon ein paar Mal vorgekommen, dass er Verabredungen nicht eingehalten hatte oder Termine verpasste, aber es war das erste Mal, dass ich nichtmal eine Erklärung erhielt. Ich stand einfach da, wie bestellt und nicht abgeholt.

Ich rief ihn wütend an, fragte ihn, was er sich eigentlich denken würde, mir nicht mal abzusagen. Und da sagte er, dass er es einfach nicht geschafft hatte. Und wie Leid es ihm täte. Und auch, dass er noch im Bett lag, im zwei Uhr nachmittags. Weil er es nicht geschafft hatte, aufzustehen.

Ich merkte, dass es ihm nicht gut ging und fuhr zu ihm, um ihm vielleicht irgendwie helfen zu können.

Es dauerte einige Zet, bis mir klar wurde, dass er nicht körperlich krank war und auch nicht einfach nur faul und rücksichtslos, sondern dass er das, was er sagte, auch genau so meinte: Er schaffte es einfach nicht.

Es tut mir immernoch schrecklich Leid, dass ich so lange gebraucht habe, um zu kapieren, was er eigentlich hatte. Für ihn war es natürlich schwer, darüber zu reden, und mir war einfach nicht klar, womit ich es zu tun hatte. Wir hätten uns viel Streit ersparen können, wenn wir einfach mal in Ruhe darüber geredet hätten, wie wir es seither immer tun. Aber dazu waren wir beide noch zu unsicher, wir hatten ja bisher noch nichts ernsteres zu besprechen gehabt als die Frage, ob ich zu ihm fahren würde oder er zu mir.

So, das soll für den Anfang genügen.

Also, an alle, die bis hier durchgehalten haben: Danke für's lesen. Da hab ich euch ja ziemlich zugelabert!

Alles Liebe und bis bald,

Thaliana

 

 

 

29.4.14 20:45, kommentieren